geschrieben von Dunehopper am 22. Januar 2014

Am Mittwoch, dem 22.01.14, hat die Piratenpartei eine Pressemitteilung herausgebracht, in der beschrieben wird, dass wir die Telefonlisten der Jobcenter öffentlich machen.
Diese wurden von Harald Thomé gesammelt, der dies nach massivem Druck von Seiten einiger Jobcenter nicht mehr machen kann.
In diesem Artikel beschreibe ich, wie es dazu kam, denn ich war live dabei.

Es begann, wie so vieles bei Piratens, bei Twitter. @Erdrandbewohner verwies auf einen Artikel bei Telepolis:


Das fand ich auch. Also habe ich (aus unsinnigem Hierarchiedenken heraus) den 1. Vorsitzenden unseres Kreisverbandes (Robert), den 1. Vorsitzenden unseres Landesverbandes (Kevin) und den 1. Vorsitzenden der Piratenpartei (Thorsten) angetwittert:


Das war am Montag, den 20.01 um 17:06. Die Idee wurde begeistert aufgenommen und wir haben uns für 20:00 Uhr im Mumble verabredet. Dort haben wir die Details besprochen: Robert hatte bereits mit Herrn Thomé telefoniert, der von unserer Idee sehr angetan war, Thorsten hatte schon mit dem Justiziar gesprochen, der uns gelb-grünes Licht gab, weitere Piraten wurden ins Boot geholt, die Mitteilungen an die Presse vorbereiten konnten, und schicke Grafiken gebaut haben. Die Original-Dateien wurden von Archive.org runtergeladen und auf unseren Webspace kopiert.
Am nächsten Abend haben wir uns wieder im Mumble getroffen und beschlossen, die Daten ins Piraten-Wiki zu stellen. Gesagt, getan. Während Kevin eine Wiki-Seite mit einem Tabellengerüst baute, haben wir ein Pad aufgemacht, um die Daten zusammen bearbeiten zu können. Zu dritt haben wir im Pad die Daten per Copy und Paste eingefügt und mit Metadaten ergänzt. Dazu musste jedes Dokument geöffnet werden und öfter mal Wikipedia bemüht werden, um das Bundesland oder die PLZ zur Stadt zu ermitteln. Später kamen noch weitere Piraten dazu, die uns ihre Hilfe aufgedrängt haben und zur Verschwiegenheit vergattert wurden. „Später“ bedeutet übrigens so gegen 00:30 in der Nacht. Parallel wurde an der Pressemitteilung gefeilt und der Einleitungstext geschrieben. Nebenbei wurde an einem Plan B gearbeitet, falls irgendwas nicht fertig werden sollte. Zwischendurch wurde immer mal wieder der aktuelle Stand ins Wiki kopiert, so dass man sehen konnte, was passiert.

Am nächsten Morgen war die Pressemitteilung auf der Piraten-Homepage, die Daten waren fast vollständig gepflegt und auf Twitter ging die Post ab. Erst recht, als die Zeit Online darüber berichtete (später kam auch SPON dazu). Gegen 14 Uhr war #Jobcenter auf dem zweiten Platz der politischen Hashtags. Zwischendurch kamen weitere Piraten dazu, die aus unleserlichen PDFs lesbare Dokumente erstellen. Mal sehen wie es weitergeht. Die meisten Reaktionen sind positiv, es gibt aber auch einige kritische Stimmen.

Diese Aktion zeigt deutlich, wie Piraten zusammenarbeiten können. Alle ziehen an einem Strang, haben Ideen, wie Aufgaben effizient gelöst werden können und denken an Dinge, die man selbst nicht auf dem Schirm hatte. So macht die Sache Spaß. Genau so wünsche ich mir Piratenarbeit. Sie zeigt auch, wie wichtig unsere Tools sind: Twitter zum schnellen zusammenfinden, Mumble für „Telefonkonferenzen“, das Pad für kollaboratives Arbeiten und das Wiki zur Präsentation der Daten. Um diese Tools zu bedienen muss man kein Nerd sein, etwas mehr als Copy und Paste reicht völlig. Genau mein Niveau, das kann Jeder. Man muss sich etwas Zeit nehmen, das ist alles. Andere Piraten helfen gern, denn das Ziel steht im Vordergrund.

tl;dr: Sobald eine kritische Masse an Piraten erreicht ist, können schnell tolle Dinge entstehen. Die kritische Masse ist 2.



7 Kommentare zu “ Twitter ist toll. Unsere Tools sind toll. Piraten sind toll. ”

  1. T'horse10 sagt:

    Ich finde, das ist eine sehr gelungene Aktion! Gute Arbeit, mehr davon! Die Praxis der Arbeitsagenturen ist wirklich nicht zu ertragen.

  2. Ulrich Wockelmann sagt:

    Gute Arbeit. Danke für die Unterstützung von Harald Thomé. Weiter so.

  3. Arno Nym sagt:

    Nu auch die taz 🙂 http://www.taz.de/!131585/

  4. Heinrich Rode sagt:

    Coole Aktion.

  5. Pirat sagt:

    Die taz hat nachgefragt… http://www.taz.de/Piraten-veroeffentlichen-Durchwahlen/!131585/ … die Jobcenter finden das garnicht schlimm!? WTF?!

  6. Transparente Verwaltung: PIRATEN machen Telefonlisten von Jobcentern öffentlich | Krähennest - Piraten Podcast sagt:

    […] weiterer interessanter Blogpost zu dem […]

  7. T'horse10 sagt:

    Jobcenter Telefonlisten

 
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